Prinz Thorsten regiert die Stadt

MÜNSTER Temperaturen um den Gefrierpunkt, leichter Wind und Sonnenschein bescherten den 1111 mehr oder minder kostümierten Besuchern auf dem Prinzipalmarkt optimale Witterungsbedingungen für einen Open-Air-Narrenspaß an diesem Sonntag im Februar.

Der per „Anhaltekelle“ angeordnete Zwischenstopp des prinzlichen Lastwagens mit der Garde an Bord gestern auf dem Prinzipalmarkt war nur von kurzer Dauer: Oberbürgermeister Markus Lewe konnte trotz Ordnungsamts-Uniform die närrische Übermacht nicht lange ausbremsen.

Salzkruste aufgemeißelt

Für drei tolle Tage regiert nun Thorsten Geuting. Prinz Thorsten hatte schon früh am Morgen den Regierungspräsidenten Prof. Reinhard Klenke quasi im Handstreich entmachtet.
Die "Witten Müse" als Schutztruppe leisteten kaum Widerstand, echt arbeiten für seinen Schlüssel musste der Prinz allerdings. Das begehrte Objekt war in einer dicken Salzkruste eingeschlossen, Hammer und Meißel mussten geholt werden. Ein paar kräftige Schläge und Geuting, der sich berufliche mit gesalzenen Wellness-Oasen gut auskennt, hatte gewonnen.

Abschied vom Gesangstrio

Auf dem Prinzipalmarkt schunkelten sich zu dieser Zeit bereits die Zuschauer mit der Bigband des Kant-Gymnasiums warm. Danach gab es Abschiedstränen. Das Gesangstrio Coerdis trat zum letzten Mal nach zwölf erfolgreichen Jahren öffentlich auf.
Das exzellente Moderatorengespann Detlev Simon und Rolf Schröder verabschiedete drei bescheiden gebliebene und erfolgreiche Akteure, die nicht nur in ihrem Stadtteil Coerde viele Sympathisanten haben.
Das Stadtjugendprinzenpaar Pia und Julius steckte Oberbürgermeister Markus Lewe in ein Robin Hood-Kostüm, damit er „das Geld aus dem Stadtsäckel nehmen und an die armen Karnevalisten verteilen kann“. Mit der Verkleidung könne sich Lewe trotz närrischer Entmachtung heimlich ins Rathaus schleichen und nach „verborgenen Geldquellen suchen“.

Lob von Lewe

Lewe lobte nicht nur den karnevalistischen Nachwuchs. Das derzeit im Ruhestand ausharrende Stadtoberhaupt: „Was die Narren hier bewegen, bewegt die Herzen der Stadt!“. Nach der Anreise mit Lastwagen und Sattelzugauflieger stürmte Prinz Thorsten ganz konventionell über das Treppenhaus des Stadtweinhauses auf den Sentenzbogen und gab ein paar maßregelnde Botschaften in seiner prinzlichen Bulle bekannt.

Prinzliche Bulle

Geuting: „Der Elefantenpark wird bis zum Domplatz ausgebaut, damit endlich mal richtig große Tiere in der Stadt zu sehen sind. Uniformträger werden in Gastronomiebetrieben bevorzugt bedient und in den Grundschulen wird Masematte eingeführt, damit unsere Münstersprache nicht in Vergessenheit gerät!“
Mit dem Rosenmontagszug steht heute der Höhepunkt im närrischen Treiben Münsters auf dem Programm. Start ist um 12.11 Uhr ab Schlossplatz. Es bleibt kalt, aber trocken.

Quelle: Münstersche Zeitung, Helmut P. Etzkorn

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Prinz Thorsten I. stürmt das Rathaus und entmachtet den Oberbürgermeister

Münster - Münsters Prinz Thorsten I. hat bei Kaiserwetter das Rathaus gestürmt. Oberbürgermeister Markus Lewe überreichte ihm vor 2000 närrischen Zuschauern den Generalschlüssel. Zuvor hatte Lewe, als Ordnungsamtsmitarbeiter getarnt, den prinzlichen Lkw auf der Fahrt über den Prinzipalmarkt gestoppt.

Ulf Imort traut seinen Augen kaum. Gerade erst hat der Adjutant des Vorjahres den 40-Tonner vor Kleimann in Gang gesetzt. Prinz Thorsten I. (Geuting) und die versammelte Prinzengarde, die jubelnd auf dem weißen Sattelschlepper stehen, wollen nun eigentlich mit lautem Hurra das Rathaus stürmen – als das Ordnungsamtjust jetzt den Lastwagen nach nur wenigen Metern Fahrt über den Prinzipalmarkt ausbremst.

1:0 für den Oberbürgermeister

Mit Helm samt verschlossenem Visier auf dem Kopf faselt der Beamte in Höhe von Photo Porst etwas vom Sonntagsfahrverbot für Lkw, zu wenig Profil auf den Reifen, und eine Sondergenehmigung will er auch noch sehen. Der wirklich entsetzten Prinzengarde fällt das Herz in die Hose. „Das darf ja nicht wahr sein. Da steht hier so ein Ordnungsamtsfuzzi am Sonntagmittag und stoppt den Sturm aufs Rathaus“, ärgert sich Adjutant Rolf Büschenfeld. Plötzlich öffnet „der Ordnungsamtsfuzzi“ sein Visier, nimmt die Sonnenbrille ab und ruft – „helau“. Es ist Markus Lewe. Prinz und Prinzengarde fällt die Kinnlade runter. 1:0 für den Oberbürgermeister!

Der prinzliche Sattelschlepper darf am Ende passieren – und damit ist es um Lewes Rathaus-Macht geschehen. Im Nu steht die Prinzengarde vor dem Stadtweinhaus. Seine Tollität stürmt mit den Adjutanten die Treppe hinauf und verkündet vor 2000 begeisterten Narren vom Sentenzbogen aus die Machtübernahme. Lewe rückt ohne weiteren Widerstand den Generalschlüssel fürs Rathaus raus – bis Aschermittwoch. „So schnell hatten wir das Rathaus noch nie“, wundert sich Adjutant Thomas Straßburg.

Und was wird aus Lewe?

Vielleicht hätte Lewe noch eine kleine Chance gehabt, seine Macht zu behaupten, hätte er gewusst, dass Prinz Thorsten zum Regieren das Zepter fehlt. Guten Quellen zufolge ging die Jubellatte im närrischen Trubel in der Nacht zu Sonntag verloren. Beruhigend ist, dass das historische Stück, das mehrere Hundert Liter Bier wert sein dürfte, spätestens Aschermittwoch wieder auftauchen soll, sagt ein Unterhändler auf dem Prinzipalmarkt.

Und was wird aus Lewe? Das weiß das Stadtjugendprinzenpaar Pia I. (Schilling) und Julius I. (Pape): Er soll sich als Robin Hood durch die dunklen Gänge des Rathauses schlagen und nach verborgenen Mitteln der Stadt suchen, damit auch künftig der Zuschuss für den Rosenmontagszug gerettet ist. Ganz so, wie er in diesem Haushaltsjahr getan hat. „Er hatte das Geld aus dem Stadtsäckel genommen und es an die armen Karnevalisten verteilt“, loben Pia I. und Julius I.

Quelle: Westfälische Nachrichten, Ralf Repöhler

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