Schlüsselübergabe

Prinz Bernard I. (Homann) hat auf dem Prinzipalmarkt die Macht in der Stadt an sich gerissen. Seine Tollität stürmte gemeinsam mit der Prinzengarde das Rathaus.

Was dem Rosenmontagszug noch schwer zu schaffen machen könnte, galt am frühen Sonntagnachmittag bereits für Oberbürgermeister Lewe. „Die Zeichen stehen auf Sturm, mein lieber Markus“, rief ihm Prinz Bernard I. (Homann) noch zu. Dann tricksten die beiden Adjutanten Thomas Straßburg und Jan Homann das Stadtoberhaupt mit List und Tücke aus.

Und zwar ganz einfach: Sie drückten ihm auf der Bühne vor dem Stadtweinhaus ein Mikrofon in die Hand. Wohl wissend, dass Politiker dann wie von Geisterhand der für sie natürliche Reflex ereilt, spontane Volksreden zu halten. Und während sich Lewe mit seiner „Büttenrede“ (Moderator Detlev Simon) ans Narrenvolk wandte, stürmte der Prinz die Treppen zum Sentenzbogen hoch. „Das ist der übelste Betrug, den ich je erlebt habe. Dabei hatte ich extra Bestechungsgeld eingesteckt“, ärgerte sich Lewe. Während ihm Prinz Bernard I. um 13.47 Uhr eröffnete: „Das Rathaus ist mein, geh‘ mit deiner Frau heim.“

Vor über 2000 Karnevalisten auf dem Prinzipalmarkt ordnete Homann in seiner prinzlichen Bulle unter anderem an, dass Tempo 30 fortan als Höchstgeschwindigkeit gilt – für Radfahrer! Und: dass das Stadthaus 1 einen gläsernen Aufzug bekommt.  Ob der Rathaussturm über die Treppen den Prinz dazu veranlasst hat, bleibt sein Geheimnis.

Dabei war die Anfahrt zum Rathaus für Bernard I.  und Prinzengarde weniger anstrengend. Mit einem schicken Oldtimer-Bus erreichten sie den Prinzipalmarkt. Lewe versuchte noch, dem Prinzen mit einem Tretroller den Weg abzuschneiden. Im Körbchen hatte er Goldtaler (aus Schokolade) als Besprechungsgeld dabei. „Das sind die Reste der Haushaltskasse.“

Für den Immobilien-Fachmann Homann dürften das nur Peanuts gewesen sein. „Als Makler lebe ich von den großen Geschäften. Heute Morgen habe ich die Bezirksregierung am Domplatz 1 eingenommen, nun das Rathaus“, freute er sich über die beiden Immobilien in bester Lage. Auch wenn Lewe befürchtete: „Der stellt den ganzen Prinzipalmarkt auf den Kopf“, sangen die Zuschauern dem OB zu: „Du kannst nach Hause gehen.“

Eine Stunde zuvor hatte Lewe bereits den ersten Schlüssel „zum Vorzimmer“ gegen einen Orden beim Jugendprinzenpaar Jule I. (Schmitz) und Leon I. (Leifken) eingetauscht. Dazu bekam er mit Blick auf die  Haushaltslage einen Münster-Sparstrumpf geschenkt. Und kostenlose Tipps: So könnten Hooligans den Müll nach den Preußen-Spielen wegräumen. Ein Karnevalszelt, das von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch in der Stadt stehen soll, würde zusätzliche Steuereinnahmen bescheren.

Rund um die beiden Schlüsselübergaben begeisterten Tanzgarden und Karnevalssänger in dem dreistündigen Programm, das Thorsten Brendel und Detlev Simon pfiffig moderierten. Karl-Heinz Vergers, Dirk Ogriseck, Eppi Ebbing und die Landeier rockten die Bühne.

Quelle: Westfälische Nachrichten, Ralf Repöhler

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